Die Wutachschlucht am Beginn des
Industriezeitalters
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts begann in Deutschland die Zeit der Industrialisierung. Technische Neuerungen verbreiteten sich in Windes Eile, der Bedarf an Energie stieg stetig an, so auch im Südschwarzwald. 1891 besuchte Fürst Karl Egon III. zu Fürstenberg, Landesherr mit Stammsitz im nahe gelegenen Donau- eschingen, die „Internationale Elektronische Ausstellung“ in Frankfurt. Hier reifte seine Idee, das fürstliche Schloss in neuzeitlichem Licht erstrahlen zu lassen und gleichzeitig den wachsenden Energiebedarf der Fürsten- bergischen Brauerei zu decken.
Unter der Bedingung, dass das 3 km entfernte Sägewerk an der Schattenmühle nicht trocken- gelegt werde und den Fischen genug Wasser bleibe, durfte der Fürst das Turbinenhaus und die 16 m hohe Talsperre errichten. 1895 wurde schließlich das älteste und heute unter Denkmalschutz stehende Flusskraftwerk auf 694 m über NN in Betrieb genommen, das nun den Ferntransport des Stroms gewährleistete. Beim Besuch Kaiser Wilhelms II. in Donau- eschingen wurde der Schlossgarten mit der angeblich ersten Glühbirne Deutschlands und dem Strom des Stallegger Flusskraftwerkes be- leuchtet.
Trotz der Entfernung zu den großen Städten lagen für die Bewohner der Umgebung modernste technische Errungenschaften also beinahe vor der Haustüre. Der so genannte „Elektrisierapparat“ etwa, ein Generator zum Prüfen der Sicherungen, der ähnlich wie ein Dynamo funktionierte.
Schulklassen konnten hier praktischen Unter- richt nehmen, einmal „den Strom anfassen“ und nebenbei in der dazugehörigen Gaststätte eine Pause einlegen. 1979 verkaufte der Fürst das Flusskraftwerk an das Kraftwerk Laufen- burg. Jahrzehntelang stand es in der Folge still. Nach 21 Jahren Dornröschenschlaf und In- vestitionen in Millionenhöhe ging es im Jahr 2000 wieder ans Netz. Das Flusskraftwerk Stallegg produziert heute jährlich 2.100.000 kWh Silber- und Goldstrom für das Unter- nehmen Naturenergie AG.
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